Die Begegnungen und Camps 2026 finden unter politisch bedrückenden Vorzeichen statt. In beiden Projektregionen sehen sich die Partner*innen auf sehr unterschiedliche Weisen politischen und gesellschaftlichen Auswüchsen gegenüber, die erschreckend, empörend und entmutigend sind. Zusammen stemmen sie sich gegen Entmenschlichung, Hass und autoritäre Kräfte und schaffen Orte des Dialogs und der gemeinsamen Ermutigung.

Südosteuropa
„Ich kann jetzt nicht guten Gewissens serbische, kroatische und bosnische Jugendliche gemeinsam in Vukovar rumlaufen lassen“, sagt Vlasta Markovic, Regionalkoordinatorin für die Projekt-region. Nachdem im Juli und August das große Sommercamp an der Küste Kroatiens und das Camp für Aktive nahe Gornji Vakuf-Uskoplje (Bosnien und Herzegowina, BiH) sehr erfolgreich stattgefunden haben (S. 4), hat das Team den für September geplanten Wochenendbesuch nach Vukovar (Kroatien) auf das nächste Frühjahr verschoben.
Die Stimmung in der Region ist hochgekocht. In Vukovar spielte der rechtsradikale kroatische Musiker „Thompson“ (Marko Perković) Ende August vor rund 100.000 Zuschauer*innen. Er verherrlicht den kroatischen Faschismus und ist sehr beliebt (…..) Einen Tag später starb Ratko Mladić. Verurteilt wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und des Völkermords in Srebrenica starb er in Den Haag im Gefängnis. Es folgten Demonstrationen und Gedenkfeiern in der gesamten Region, insbesondere in der Republika Srpska (BiH) und in Serbien. (…) Im letzten Quartal des Jahres werden sich die Teammitglieder von YU-Peace insbesondere mit der Strategieentwicklung beschäftigen: „Ich denke, das ist genau das, was wir jetzt brauchen“, kommentiert Jelena Stulić, serbisches Teammitglied (S. 5). Gleichzeitig stehen in BiH und Serbien Wahlen kurz bevor und der Wahlkampf ist in vollem Gange. In Serbien ist nach der großen Protestbewegung der letzten Jahre ist offen, ob die Wahl etwas an der politischen Machtverteilung ändern kann. (….)

Israel und Palästina
Ebenfalls gewählt wird Ende Oktober in einem Teil der zweiten Projektregion. In Israel geht es wie schon in vielen Wahlen zuvor für Benjamin Netanjahu um sein politisches Überleben.
Um vor den Wahlen noch möglichst viele Fakten zu schaffen, hat die israelische Armee Angriffe im Westjordanland massiv verstärkt, immer neue Siedlungen werden genehmigt – Ende August war zuletzt das große „E1-Siedlungsprojekt“ in den Medien, welches Jerusalem vollständig vom restlichen Westjordanland abschneiden und das Westjordanland in einen südlichen und einen nördlichen Teil aufspalten wird. „In den letzten Tagen waren immer wieder Siedler in meinem Ort, sie haben Menschen schikaniert, angegriffen und Olivenbäume zerstört. Gestern Nacht hat die Armee ‚Razzien‘ in unserem Ort durchgeführt. Meine Familie und ich sind nach langem Hin und Her über Schleichwege zu Bekannten geflüchtet. Erst heute Morgen haben wir uns nach Hause zurück getraut. Zum Glück sind sie nicht in unser Haus eingedrungen, nichts wurde zerstört. Einige Nachbar*innen hatten nicht so viel Glück“, sagt Salma F.*, palästinensische Koordinatorin des Dialogseminars für Frauen, die in der Gegend um Hebron lebt, „es ist fürchterlich, ihr könnt euch das überhaupt nicht vorstellen.“ Seit nunmehr bald drei Jahren arbeiten die Aktiven in der Region in wechselnden Kriegszuständen (…) Die Teams vor Ort arbeiten entschlossen weiter. Das Team der Partnerorganisation Seekers* traf sich im August für einen längeren Planungsworkshop auf Zypern (S. 6). Nachdem die Aktiven des Frauen*seminars 2024 und 2025 der katastrophalen Situation Dialogseminare in Deutschland abgetrotzt und damit für den Dialog mitten im Krieg wichtige geschützte Räume geöffnet haben, dient das Jahr 2026 dem Aufbau eines Ehemaligennetzwerks und der konzeptionellen und fachlichen Stärkung des Teams. Binationale Teamtreffen sowie der Austausch zwischen Ehemaligen Teilnehmenden wurden organisiert. Gleichzeitig schreitet die Vorarbeit für das Dialogseminar 2027 voran (S. 2). (…)

Unterstützen Sie Wi.e.dersprechen jetzt, damit die Begegnungen und Seminare auch 2027 ohne Einschränkungen stattfinden können!